Weihnachtsmarkt

Ein ruhiger Winterabend auf einem der Weihnachtsmärkte in Berlin. Die beleuchteten Fensterläden laden mit leckeren Düften zu sich ein. Ich genieße mit meiner Freundin die leckere Feuerzangenbowle. Völlig entspannt und im Genuss der Dämmerung erzählen wir uns die Geschichten aus unserem Alltag. Plötzlich hören wir laute Schreie.

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Meine Freundin meinte, es höre sich wie „Frohes Fest“ an. Wieder der Schrei, immer in unsere Richtung lauter werdend. Ich bin schon angespannt und bereit mich zu verteidigen. Wieder Anmerkung meiner Freundin: der Stimme nach, könnte es ein Tauber sein. (Schon klasse eine hörende Freundin zu haben, da bekommt man spannende Sachen mit).  Voller Spannung schaue ich in seine Richtung und sehe durch den Lichtschimmer einen älteren Mann wild gestikulierend in unsere Richtung laufen. Beim genauen Hingucken sahen wir ihn „Frohes Fest“ gebärden und weiter schreien. Er lief an uns vorbei, immer wieder das Gleiche sagend. So neugierig wie wir sind, nehmen wir die Verfolgung auf. Unser Herzklopfen vermischt sich mit seiner lauten Stimme und festen Schritten. Endlich bleibt er stehen und da entdecken wir ihn, wie er ein altes Tastenhandy von von 90er Jahren mit riesigen Antenne hält und in den er weiter „Frohes Fest“ schreit und gebärdet.

Unsere Neugier war größer als Angst. Wir gingen auf ihn zu und fragten was er macht. Der Taube klärte uns auf. Er sei ihm aufgrund des fortgeschrittenen Alters schwierig mit dem technischem Zeitalter zu gehen. Zuhause habe er keinen Computer mit Internet, neue Smartphones machen ihm Angst, er wisse nicht wohin er drücken soll. Es stellte sich heraus, dass er in den Weihnachtstagen seine hörenden Kinder anruft und seinen „Frohen Fest“ ausruft. So möchte er seine Kinder an sich erinnern und tröstet sich, dass sie seine Stimme kennen und sich sicher freuen ihn zu hören.

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Wir waren so gerührt und haben dann an dem Tag noch unsere eigenen Eltern und Großeltern kontaktiert. Schnelles Tempo moderner Zeit, die viele Aufgaben, Arbeit und Partys lassen uns alte Verwandte links liegen. Sie warten aber auf uns, freuen sich über die Nachrichten, machen sich Sorgen um uns und freuen sich vom Herzen wenn wir uns bei ihnen melden. Und wenn wir es nicht tun, dann greifen sie zu den drastischen Maßnahmen wie dieser tauber alter Mann. Haltet euren Lauf auf, schaut euch um, atmet auf und meldet euch bei euren Eltern und das nicht nur zu Weihnachten.

 

 

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