Man hat als taubstummer Mensch eindeutig viel Verantwortung. Neulich nahm ich an der Veranstaltung (nicht unbedingt toll) mit zwei Dolmetscherinnen teil (sie sind aber toll, ich schleime nicht) .
In der Pause gehen wir natürlich raus. Wer will schon in einem schimmeligen Gebäude verstauben? Na gut, das Gebäude ist relativ neu, aber kuscheln kann man da schlecht. Dicke Luft, kalter Marmor und müde Gesichter meiner Leidensgenossen.
Dann lieber raus, in den Regen! Wir plaudern dann gemütlich und plötzlich spricht uns von der Seite ein alter Mann an.Typic Zugegeben – sein Aussehen erweckt kein Vertrauen. Seine Mimik lädt zum Gegenangriff an und da ist sie, die Frage, die uns alle drei umgehauen hat.

Seid ihr Künstler oder taubstumm?

Ein betretenes Schweigen. Eine Dolmetscherin schaut distanziert zur Seite, die andere hat große Augen, ich lächle doof. Ich mache eine abfällige Gebärde zur Dolmetscherin, dass er ja lachen würde, wenn er wüsste, wie viele Leute hier hören. Man müsste irgendwie ein Signal erfinden, der zeigt, ob das jetzt übersetzt werden soll oder nicht. Denn meine liebe Dolmetscherin voict das natürlich. Der Mann schaut uns entsetzt an. „Ihr, ihr hört?“ Wir sind also mitten in Kommunikation. Auch wenn die eine Dolmetscherin weiter zur Seite mit der Mimik „sprich mich ja nicht an“ starrt. „Nein nein, ich bin taub. Die anderen sind meine Dolmetscherinnen“. Viel Zeit hatten wir aber nicht. Wir mussten los. Der Mann ist jetzt dran uns mit großen Augen anzuschauen. Es macht sicher irgendwo in seinem Viertel ein Gerücht breit, dass die Tauben jetzt immer unterwegs zwei Dolmetscher dabei haben. Fast im Haus, fällt mir noch eine Frage ein. Zum Glück muss ich es nicht schreien, sondern meine Dolmetscherin. ^^ Die andere Dolmetscherin hat ja immer noch die abweisende Mimik, die zum Furcht erregt. „Wieso die Frage ob wir Künstler sind?“ „Na, weil die Hände sich in der Luft bewegt haben, als ob ihr tanzt oder was andere Luft malt.“ Da konnte keiner mehr ihm böse sein. Sogar die andere Dolmetscherin schenkte ihm eines ihres besten Lächelns. Sie verzieh ihm sein „taubstumm!“. Ich auch. Bedauere nur, dass ich nicht immer von Dolmetscher begleitet werde. Sonst würde ich nicht jede Frage auf der Straße, als Frage nach Uhrzeit deuten und abwinken…

Ein Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.