Meine Eltern sind in meinem Freundeskreis ein Phänomen. Was für mich alles selbstverständlich ist, macht sie für die Freunde zu Kultfiguren. Ich nahm meine russische und weitere russische Eltern ins Visier. Und verglich Sie mit den Eltern meiner deutschen Freunden. Dabei ergaben sich teilweise meilenweite Unterschiede. Nun lest hier: die Beobachtungen einer erwachsenen Tochter.

Flasche mit Alki

Die russische Eltern regen sich darüber auf, dass sie einen Termin bei ihren Kindern nehmen müssen, wenn sie sie für ein paar Tage besuchen wollen. „Du bist so deutsch geworden! Dass es soweit kommt!“ Kommen sie unangemeldet, so soll man alle andere Termine absagen. In Russland ist es nur selbstverständlich, dass die Eltern Priorität haben.

Und nun ja, russische Eltern kommen gern spontan. Deine Wohnung ist ihre Wohnung! Ich höre Tipps über die Anschaffung eines Fernsehens in die Küche und einen stabilen Schlafsofa, der zwar hässlich ist, aber einiges an Zahl der Familienmitglieder aushält und denke mir, wie schaffen es meine mittlerweile erwachsene Freunde in Russland mit ihren Eltern. Gut, sie haben ja keine Wahl. In Russland herrschen auf dem Wohnungsmarkt andere Gesetze als hier in Deutschland und es wohnen häufig drei Generationen in einer Wohnung. Man kann schon froh sein, wenn man ein Zimmer für eigene Familie hat.

Die russische Eltern füllen dein Kühlschrank mit all möglichen Lebensmitteln, das Kind (über 25 Jahre) verhungert sonst. Und sie kochen in einer Woche mehr, als das Kind in einem Monat gegessen hat. Auch der Kleiderschrank wird gefüllt: Socken, Shirts mit peinlichen Inschriften und Baumwollpijama in Pink mit weißen Blümchen. Und wehe man trägt das nicht, wenn die Eltern da sind. Und apropos Kleidung. Man soll gar nicht wundern, wenn man eigene Bluse nicht mehr im oberen Regal findet. Es herrscht jedes Mal nach ihrem Besuch ein neues Kleidungssystem.

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Die russische Eltern regen sich auf, wenn man ins Café nen Latte Machiatto trinken will. Stattdessen schleppen sie ihre Kinder nach Hause, kaufen unterwegs in Aldi schwarzen Tee, kaufen ein Haufen Schokolade und trinken den ganzen Abend in der Küche den Tee und belehren ihr Kind über Geldverschwendung.

Russische Eltern wissen, was besser ist für ihr Kind. Sie schieben dich in ein Beruf rein (so landete ich in der Mathefakultät) und zittern bei jeder Prüfung mit. Fallen die Kinder in der Prüfung durch, weint die ganze Familie.

Russische Eltern sind nie mit dem Partner ihrer Kinder zufrieden. Ständig finden sie was auszusetzen. Mein armer Freund lernte, dass ein Flaschenöffner (auch der teuren Marke) eine Beleidigung ist. Stattdessen erfreut sich die Mama über eine kitschige Tasse oder leckere Bonbons.

Russische Eltern schauen sich in ihrem Freundeskreis nach einem passenden Schwiegersohn um. Einer der Ihnen Wasserkisten nach Hause schleppt und notfalls in der Wand etwas bohrt. Und ihre Position bei der Diskussion mit  eigener Tochter unterstützt.

Russische Eltern nehmen auf die Reise einen halben Wohnbestand mit, auch die von Lebensmittellager. Es könnte ja passieren, dass man unterwegs nichts zu essen bekommt. Und wer weißt, welches Wetter kommt.

Russische Eltern erzählen überall wie toll ihre Kinder sind und unterstreichen dies gern mit Beruf und Gehalt ihrer Kinder. Schließlich ist es ihr alleiniges Verdienst, dass die Kinder es soweit geschafft haben.

Russische Eltern kommen sofort, wenn man sie braucht. Ob Schnupfen, Liebeskummer oder einfach so. Und pfeifen dabei auf 300 Kilometer-Entfernung.

Russischen Eltern sind alle Mittel recht um dich gesund zu machen! Ob Salzlösung, Wodka oder Geschimpfe über vernachlässigte Achtung eigenes Körpers. Hauptsache sie kriegen dich aus dem Bett.

Russische Eltern empfinden deine Freunde als eigene Freunde. Sie reden mit ihnen über Sex, Probleme und teilen sich eine Flasche Spiritus. Und am Ende wird heftig umarmt.

Russische Eltern empfinden ebenso deine Probleme als eigene Probleme. Sie leiden mit, weinen mit, denken mit, entscheiden mit (oder treffen eigene Entscheidungen) und unterstützen. Schön zu wissen, dass man nicht alleine mit den Problemen auf der Welt ist.

Russische Eltern sind aktiv was die Enkel angeht. Man hat das Gefühl, sie lieben die Kleinen wohl mehr als eigene Kinder. Da werden wir neidisch.

Russische Eltern kuscheln mit dir in einem Bett, knutschen dich ab und vergessen, dass du auf 30er zugehst. Man kann es sich bei Ihnen leisten ein kleines Kind zu bleiben 🙂

Olja

 

 

 

 

PS. Hier in eigener Sache: ich hab euch lieb, Familie! <3

3 Kommentare

  1. Also das klingt aber nach einer positiven Ausnahme von russischen Eltern. Ich kenne sie nur als Egoisten, Spießbürger, weltfremd, mit Abneigung und ständiger Kritik an neuen Dingen. Wenn sie über ihre Kinder prahlen, dann prahlen sie eigentlich über sich selbst. Mischen sich ohne Ende in das Leben der Kinder ein und WISSEN NIE WANN’S MAL GUT IST! Die Mutter ist meist eine Hysterikerin, die sich hinter dem Möchtgern-Diktator Vater versteckt.

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  2. Ich habe auch russische Eltern. Sie sind aber im weiten Weg anders. Sehr religiös und achten stark auf Tradition, meine Mutter pusht sich immer auf, also schminkt sich und zieht sich sehr weiblich an. Meine Eltern stecken ihren Akzent föllig weg, man darf hier in Deutschland kein russisch sprechen, sonst verlernt man deutsch, meinen sie. Sie packten mir zwar immer den Kühlschrank voll, jedoch bin ich jetzt 21, habe einen mann (den ICH mir ausgesucht habe) und sie kommen auch nicht spontan zu Besuch, sondern rufen einen tag vorher an. Ich darf und durfte meistens, wenn sie richtig wahren auch meine Entscheidungen treffen, sowie meinen job selber etscheiden. Sie weinen zwar mit wenn ich durchfalle, und meine Probleme sind auch ihre, aber meine Freunde nicht ihre.

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