Mayo


 

Darf ich vorstellen?! Ihr erhascht gerade den Einblick in den Kühlschrank meiner Oma. Ein lebenswichtiger Grundnahrungsmittel in Russland. Kommt in fast allen Zutaten vor. Und ja, ich gestehe, die Integration in Deutschland hat mich nicht soweit, dass ich diesem tollen Ding meinen Rücken kehre. Das kann man überall reintun. Denkt doch an die vielen Salate! Olivie: Kartoffel, Wurst, Erbsen, Ei und Mayo! Hering unter Mantel: Hering, rote Bete, Kartoffel, Ei, Zwiebel, sauere Gurke und Mayo! Man kann doch unmöglich Mayo mit Schmand oder Joghurt ersetzen. Auch Brot essen die Russen gern mit Mayo. Butter ist doch was für Ahnungslosen! Und dieses leckeres „Fleisch nach französischen Art“ geht doch auch nur mit Mayo. Fleisch weichklopfen, mit Zwiebel bestreuen, Mayo mit Gouda mischen und drauf schmieren und ab ins Backofen damit.
In jedem Kochbuch findet ihr Rezepte mit Mayo. Ihr lacht sicher ins Fäustchen, dass diese Rezepte nicht von Feinschmecker geschrieben worden sind. Ja, wahrscheinlich! Aber schmecken tun sie trotzdem!

IMG_1818Man müsste da einen durchschnittlichen Haushaltsration des sowjetischen Bürger bedenken. Damals gab es Fleisch- und Milchdefizit und so eine Mayo hat den Energiehaushalt des sowjetischen Bürger auf hohen Level getrieben. Das wird hier bei uns verständlicherweise nicht geschätzt. Vogue und Gala sind da strenge Bewacher. Ich schweife mal wieder ab. Zurück zum Thema. Mayo ist einfach zu machen, die Zutaten waren auch in Defizitzeiten einfach zu besorgen und noch heute  ist es billig und immer zu haben. Am Besten ist natürlich Mayo selbst machen, um die ganze chemische Zutaten vor der Tür zu lassen: Eigelb, Senf, Öl, Zitronensaft, Salz und Zucker mischen. Ist doch machbar, vor allem für die Thermomixliebhaber unter euch.

Der Legende nach, war Stalin ein großer Liebhaber dieser Soße und er hat veranlasst, dass Mayo ein Bestandteil der Lebensmittelkarte wird. (Damals musste man diese Karte haben um an Essen zu kommen. Es wurde nur eine bestimmte Ration an bestimmten Lebensmitteln vergeben.) Nun ja, so steuert man auch das Essverhalten der Massen.

Im Durchschnitt verbraucht jeder figurbewusste Russe 2,5 kg Mayo im Jahr. Die Liebhaber von Mayo kommen auf 8 kg. Ich wäre wahrscheinlich auch an dem Punkt, doch …. Es gibt ein doch… mein Freund weigert sich mit Händen und Füssen diesen „Frass“ zu essen. Und da ich kategorisch dagegen bin, Salate mit alternativen Soßen durchzumischen, gibt es für ihn keine Salate und für mich keine Mayo.

Wenn ich aber bei meiner Oma bin, wird dieser Defizit ausgeglichen. Ich komme da voll auf meine Kosten.

Und wie steht ihr so zu Mayo? Und sagt nicht, ihr rührt es gar nicht an! Die Japaner schmieren damit ihren Sushi! Und so manch einer Bäcker fügt es in sein Kuchenteig ein. Halt die Augen offen! Stalins Erbe lässt sich nicht so einfach vertreiben.

Olja

 

 

2 Kommentare

  1. Thora

    Ich muss einfach lachen und blicke meine Vergangenheit zurück. Ich sehe es als Ossi ähnlich wie bei uns während DDR. Zur Info: meiste japanische Mayo hat keine Eier darin und ist vegan-freundlich. 😉 Vielen Dank für deinen tollen Beitrag und natürlich weitere Beitrage von euch beiden gefallen mir besonders gut. Macht weiter so! 🙂

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