Der Plan für Sommer war eigentlich nach Ukraine zu reisen. Mit schwerem Herzen mussten ich und mein Freund wegen den leider immer noch aktuellen Ereignissen diese Reise auf bessere Zeiten verschieben. Schnell stand fest, dass wir uns Norditalien ansehen wollen. Großzügig von meinem Freund, denn einige Städte sah er bereits. Was man aus Liebe nicht alles tut!

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Erst wollten wir es so machen, dass wir bei Bekannten der Bekannten von unseren Bekannten übernachten wollten, doch dann bekamen wir einen Tipp: airbnb. Der Prinzip von airbnb ist, dass Privatleute uns gegen einen Entgelt ihr Zimmer überlassen. Vor Ort stellten wir fest, dass das Service nahezu mit dem von Hotel mithalten kann. Nicht überall, aber meistens. Wir planten also unsere Reise und buchten in vielen Städten ein Zimmer. Für uns zwei kosteten 14 Nächte in verschiedenen Städten in Italien (fast immer zentral) 500 €. Jedoch bin ich im Nachhinein kluger. Fast alle 2 Tage Koffer packen und auspacken ist anstrengend. Nächstes Mal suchen wir uns 2 – 3 Städte aus, von denen aus, wir mehrere Ausflüge unternehmen. Langsame Züge in Italien (vergleichbar mit unseren RE) sind nicht teuer und die Fahrt dauert im Durchschnitt nur 30-60 Min länger als bei Expresszügen.

Zuerst ging es nach Zürich. Jaja, das ist nicht Italien, aber wir wollten nichts auslassen, zumal es auf dem Weg lag. Wir nahmen Fernbus und fuhren über Nacht. Was anfangs als klever gedacht war, entpuppte sich als ein Schrecken. (Außer der tollen Aussicht auf die Natur und die Fahrt auf einer Fähre). So jung sind wir wohl nicht mehr. Kaum geschlafen, kamen wir todmüde in Zürich an, erwiesen der Stadt die obligatorische eine Stunde – Tour, gingen in unser Airbnb-Zimmer und schliefen durch! Danach ging es schon nach Mailand. Die Schweizerin fragte uns noch, ob wir nen Sofa-Tourismus betreiben. Apropos! Ein billiges Zimmer in Schweiz war etwas schwierig zu finden. Und dann bekamen wir dort weder Handtuch noch Wasserkocher angeboten. Dafür wollte der Perser der Schweizerin unbedingt mit uns aufm Sofa schlafen.

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Der erster Eindruck von Mailand war die Wohnung. Sie war riesig! Badezimmer hatte nicht nur eine Badewanne und Duschkabine, sondern den Waschbecken für die Füße, riesige Spiegel und orientalische Fliesen! Herrlich! Wir durften die Waschmaschine benutzen und dort kochen. Den Eindruck hinterließen auch die in den Nachbarzimmer ständig wechselnde Asiaten mit Gucci-Taschen und unzufriedenen Gesichtern. Vielleicht weil wir die tolle Badewanne für mehrere Stunden öfters blockierten? Mailand entpuppte sich als eine vielseitige Stadt. Es ist nicht nur ein Shoppingtraum für Asiaten, sondern eine hipige Stadt für ein junges Publikum und grün für die Kinder. Die Stadt an sich hat wenig Touristen, an dem Dom findet man aber natürlich jede Menge. Kein Wunder aber, denn ein Spaziergang oben am Dach ist an sich ein unvergessliches Ereignis. Daneben ist ein sehr schönes Einkaufszentrum, dass den Besucher den Kinnladen runterfallen lässt. Nicht minderweniger waren wir von der Kirche beeindruckt, die sich ganz bescheiden mit Totenköpfen schmückte. All die Tipps haben wir Vince zu verdanken. Abends empfiehlt sich ein Spaziergang am Navilly Fluss. Dort findet der glückliche Tourist viele Bars, die zu happy hour kostenlos viele Häppchen zum Cocktail anbieten. In Mailand war es an sich kein Problem mit dem Essen, vor allem die Pizza am Dom war super lecker. Aber lasst bloß die Finger von Restaurants nahe Hauptbahnhof weg. Ich gönnte mir ein Salat für 15 €. Alles was ich bekam, waren die grünen Bohnen aus der Dose, Thunfisch, natürlich auch aus der Dose und eine spärliche Scheibe einer vergilbten Tomate (dies Mal keine Dose). Auch mein verehrter Freund hatte kein Glück mit seinen Tomatenspaghetti, denn es war schlichtweg eine weichgekochte rote Masse. Auf meine wilde unzufriedene Gestikulation reagierte der Koch sehr fröhlich entspannt. Was mich in Mailand auch total genervt hat, waren die Asiaten beglückende Geschäfte. Aus jeder Ecke sprangen sämtliche Guccis und Armanis aus dem Boden. Überall H&M und Zaras. Man fühlte sich nahezu zum Konsum genötigt. Allein schon, wenn man im Bahnhof Milano aussteigt, wird man von digitalen Werbung fast geblendet, dabei hat der Bahnhof von Mussolini einiges zu bieten. Dem entfliehen könnte man nur in den Park. Da fand man Haufen junge Männer, springend, laufend, nackig … Sicherlich auch Einfluss von Werbung. Aber es war eine Augenweide, leider nur kurz. Mein verehrter Freund duldet keine Konkurrenz. Gut, zurück zur Stadt. Grundsätzlich fand ich keine durchdachte Struktur in der Stadt. So wie Tally Well neben Louis Vuitton, so gab es neue Bauten, die sich ungeschickt neben den eleganten Jugendstillwerken stellten.

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Sommer 2014 ist bekanntlich der Sommer des Fußballs. Wir durften die Liveübertragung von Halbfinale direkt am Fluß Navilly verfolgen. Herrlich, diese Atmosphäre. Dagegen war die Verfolgung der Finale im gehörlosen Verein ein Albtraum. Die Italiener wollten nicht, dass die Deutschen jetzt gleiche Anzahl der Pokale haben und beschimpften diese auf Übelste. Sie klatschten und schrieen ungeniert für Argentinien. Wir arme zwei (ja, ich war auf einmal deutsch und musste dafür gerade stehen) versuchten unsere Regungen zu unterdrücken, wer will es schließlich mit einer Meute aufnehmen. Deutschland gewann – wir entblößten endlich unsere Gefühle und wurden mit einem leider negativ bekannten Gruß aus 30-40er Jahre kommentiert. Leider entfiel mir da vor Ort die Idee, die auf Mussolini hinzuweisen. Mit dem netten Erkenntnis über Deutschlands immer noch lastendes Erbe ging es weiter.

Während wir in Mailand (5 Tage) gelebt haben, leisteten wir einen Ausflug nach Turin und Verona.

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Was uns in Turin sehr auffiel, dann die unzählige Arcaden, die die Passanten von der Hitze schützen sollen. Wir waren angesichts der Sonne sehr für schattigen Plätzchen dankbar. Höhepunkt von Turin ist der berühmter Turm aus Allu, dass auf unserer Euro-Münze zu sehen ist. Entgegen der Empfehlung des Reisebuches fanden wir keinen schönen Platz der Republik, dafür aber einen Basar. Die Melone war süß und saftig, endlich etwas Obst in Italien, denn in Salat von Mailand waren ja nur Bohnen drin … Seid gewarnt, zukünftige Reisende: in Turin findet ihr nur abends was zum Essen! Also, Proviant unbedingt einpacken! Die miese Laune wegen dem Hunger wurde  uns von der Aussicht auf die Stadt von einem Berg vertrieben. Warum sieht Turin von oben nur viel schöner aus als von unten?

IMG_8341 Die erhoffte Romantik in Verona, der Stadt von Romeo und Julia fanden wir in Form von kämpfenden Touristen, die sich darum rissen, Julias entblößte Brust zu packen und daneben mit „Daumen hoch“ zu posieren. Auch wenn gewarnt wurde, dass Julia nie auf dem Balkon war, so stellten sich viele Menschen in die Schlange um Julias Sehnsucht nachzuempfinden. Auch ich! Bloß fand ich den Mann meines Herzens nicht, klar bei dieser richtig großen Menschenmenge. Wie romantisch! Ja, dann kamen die schmale menschenleere Gassen später, aber sie konnten meine Laune nicht mehr retten. Doch mein Schatz – schlau wie immer – wusste mir mit süßen Häppchen von Kuchen die Laune zu verbessern. Danach gab es auch noch den tollen leckeren Eis von Velchi. Endgültig besserte sich meine Laune auf  der alten Ziegelsteinbrücke (sie war versteckt, mussten lange suchen). Sie hatte so viel Ähnlichkeit mit dem Kreml in Moskau, da fühlte ich mich ein wenig heimatlich. Später erfuhr ich, dass Kreml von Italiener entworfen wurde.

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Voll mit Eindrücken fuhr ich mit hohen Erwartungen nach Florenz, denn schließlich wird die Stadt in so vielen Büchern besungen! Davon im 2. Teil das nächste Mal.

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