Typic
Es gibt Momente, da will man nicht für das eigene Anderssein gerade stehen. Was bringt es mir doppelt so nett zu lächeln und süß zu sein und dann nur scheinbar dazu zu gehören.
 
Öfters mal gibt es Situationen, wo ich allein unter vielen Hörenden bin. Natürlich könnte ich mich bemühen und das obligatorische „Es ist so schön hier!“ oder „Findest du das hier auch alles langweilig?“ aus mir herausbringen. Der Gegenüber wird lächelnd was antworten und es könnte ja ein nettes Gespräch werden. (eventuell) Doch sobald eine dritte Person unsere Bühne betritt, werde ich stumm. Denn am Trialog teilzunehmen ist mir kaum möglich. Ich könnte sie bitten langsam zu sprechen. Sie würden sich bemühen und jedes Mal müsste ich „Tschuldigung, wie bitte?“ aus mir rauspressen. Ich fühle mich schlecht, die beiden fühlen sich schlecht, also überlasse ich den beiden die Bühne und flüchte in den nächsten Ort wo ich solche Begegnungen vermeiden kann.
Es gibt viele Tricks sich beschäftigt zu geben. Man bringt ein dickes Buch mit und zeigt den Anderen, dass es viel spannender ist als das potentielle Gespräch. Oder das unverzichtbare Smartphone! Ich hab ja viel Freunde da und dort, wieso noch ihr? Toiletten sind auch eine Lösung (da kann man übrigens lesen und Smartphone erkunden) oder ganz lange überlegen welches Brötchen ich in der Cafeteria nehme.
Da höre ich schon den Aufschrei unter den Freunden der Inklusion. Verstehe ich! Vollkommen! Ich würde aber auch gern manchmal schreien! Denn diejenige, die für Inklusion kämpfen muss, bin ich, da es mich betrifft. Ich muss es einstecken, wenn ich was nicht verstehe. Ich muss ständig den ersten Schritt machen und zeigen wie normal ich sein kann, normal sein versuche, normal sein bemühe. Ich muss ständig erklären, dass man mit mir bitte langsam sprechen soll und die Verusche mit mir die Körpersprache zu benutzen muss ich jedes Mal entzückend kommentieren und mich dafür dankbar fühlen.
Das alles ist okay, aber es geschieht jedes Mal. Ich kann es mir nicht leisten die Personen nach Sympathie auszusuchen, sondern jedes Mal wird meine Auswahl auf Menschen mit dem sauberen Mundbild oder mit der klaren Körpersprache beschränkt. Muss ich dann über ihre Witze lachen, die ich nicht witzig finde? Hauptsache, ich verstehe sie?
Und was mit den Momenten, wo die Personen, die mir sympathisch sind, aber Kommunikation nicht aufrecht halten können, sich auf den Nachbarn wie auf rettenden Ring klammern und sich in ein anderes Gespräch verwickeln lassen? Da fühlt man sich als Spiegelbild für das menschliche Desaster. Besser allein sein, als sich bedauern. Und mal ehrlich, wie viel von oberflächlichen Kontakten sind es wert , dass ich mich anstrenge, bemühe und am Ende mir doch minderwertig vorkomme.
Wie oft gab ich mich kämpferisch und zuckersüß und fiel am Ende erschöpft ins Bett. Um dann beim nächsten Treff mit den selben Menschen festzustellen man muss von vorne anfangen und sie wieder erobern. Täglich.
Da hat ein Verehrer eines kapriziösen Mädchens mehr Chancen als ich.
Momentan gehts mir so: null Bock auf Inklusion, außer es kommt von beiden Seiten! Dann gibt mein zuckersüßes Lächeln gratis.
Olja

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