Mich haben so einige Erfahrungen mit der Inklusion geschädigt und ich dachte, ich könnte nie wieder rehabilitiert werden. Kein Wunder, wenn mein Matheprofessor es ablehnt eine FM-Anlage zu tragen, da es einen rosafarbenen Schutzanzug hat. „Ich bin doch keine Barbie!“.

Affe

Da halfen auch keine Erklärungen, dass dieses rosa Ding meine Brücke zu seiner Stimme ist, der seinen Vorlesungsstoff ganz nah an meinen Ohr bringt. Stattdessen wurde der Prof auch noch von 300 lachenden Studenten dazu ermutigt, mir die Ablehnung zu erteilen. Oder schlimmer! Mein Dozent, der das Seminar „Inklusion“ leitete. In mehreren Stunden mussten wir Studenten die Stimmen der Schüler auswerten, was ich zwar gern tun würde, aber es mir aus bekannten Gründen nicht möglich war. Da fiel dem Inklusionsverfechter nichts besseres ein als mich nach Hause zu schicken. Solche Geschichten gibt es viele! Nicht nur ich kann davon ein Lied singen.

Kein Wunder, wenn ich bei dem Wort „Inklusion“ jedes Mal die Augenbrauen nach unten zog, mir auf die Untenlippe kräftig zubieß und dabei jedes Mal mir vorstellte, wie dieses rosa Ding auf die Köpfe der immer alles gut meinenden Politiker knallt und sie aus ihren Illusionen hervorholt. Doch wach gerüttelt wurde ich und zwar von einer Taschenlampe.

Ich musste zur einwöchiger Sommerakademie von der Hertie-Stiftung mit 40 angehenden Lehrer und Lehrerinnen mit Migrationshintergrund. Schon im Vorfeld hat es mich davor gegraut bei den Gesprächen zu kichern, wenn alle es tun ohne das Inhalt verstanden zu haben. Ich plante schon das Haus nach ruhigen Orten abzusuchen und hoffte, dass die Tage so verplant sind, das für das Private kein Raum bleibt. Ganze Woche sollte es Vorträge und Workshops geben und ausgerechnet an dem 1. Tag ging es um Inklusion. Hah, sind solche Vorträge gut, wenn sie eine Gelegenheit zu einem eigenen Standpunkt bieten. Und wenn sie die Gelegenheit dazu bieten einen eigenen Beitrag zur Inklusion zu leisten. Ich bot den Teilnehmern an, dass ich sie in die Gebärdensprache einführe, damit sie notfalls, sollte in ihre Klasse ein hörbehindertes Kind kommen, eine kleine Ahnung von dem Thema haben. Am nächsten Tag kamen fast alle Teilnehmer freiwillig zu dem Gebärdensprachworkshop! Und ich war sprachlos! Wie die Leutz alles aufgesaugt haben! Wie gut sie beim Verstehen waren! Und vor allem, dass sie all ihre neue Erkenntnisse die ganze Woche mit mir praktiziert haben. Ich war angekommen und vergessen waren all die Fluchtpläne! Stattdessen genoss ich bis zu späten Morgenstunden die gute Gesellschaft. Gemeinsames Kicken, Tanzen und Abende am Feuer – ich war mittendrin statt nur dabei. Die Guten nahmen sogar das Entladen ihrer Smartphones ins Kauf, hauptsache ich kann abends ihren Mundbild im Scheinlicht der Phones erkennen. Und irgendwann bekam ich von allen eine Taschenlampe mit einem Band geschenkt, die man auf die Stirn aufsetzt. Ich sollte am Abenden barrierefrei vom Mund ablesen können. Es war für mich ein viel schöneres Accecories als ein mit Diamanten versetzer Band, denn es öffnete mir die Augen – Inklusion ist möglich, wenn alle Akteure es wollen.

Foto 17Nach dieser Akademie kam ich beladen nach Hause – nicht nur mit der Taschenlampe, sondern mit dem großen Optimismus, Hoffnung und Erkenntniss, das alles machbar ist! Aus diesem Grund wird es auch diese Kategorie geben – als danke schön an diese lehrreiche Woche und die wunderbaren Menschen, die dabei waren!

Olja

 

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