Brief an Brad Pitt

Hallo Brad oder soll ich lieber sehr geehrter Herr Pitt schreiben?Wenigstens muss ich dich nicht mit Jolie anschrieben. Da warst du schon echt vorausschauend. 

Weisst du, vor etwa x Jahren, war ich in dich vernarrt. Meine Familie musste damals in meiner Pubertät deine Posters in der Wohnung ertragen. Mein armer Freund musste stets dulden, dass ich jedes Mal bei deinen Filmen „ach, was für ein Traummann“ flötete. Wie aber anders! Blond, gebräunt, muskulös…. dieser Gladiatorenfilm hat sicherlich nicht nur meine Hormone verrückt spielen lassen. Meine Mom ist da auch voll abgegangen, auch wenn sie das nicht vor Pa zeigte.

Nun ja, ich will dich hier nicht zu sehr loben. Du hälst eh große Stücke auf dich. Ich weiß es aus eigener schmerzhaften Erfahrung. Deine Premiere zu Film „inglourious bastardisier.“ in Berlin durfte ich nicht verpassen. Und so, kam es, dass ich zum Marlene-Dietrich-Platz mit 2 vollen Aldi-Tüten kam.

Denn ich erfuhr leider viel zu spät von deinem Besuch. Die Presse verrät alles auch eh erst in letzter Minute, oder wenn es sogar schon vorbei ist.

Jedenfalls kam ich da, schwer betütet auf den Potsdamer Platz. Unmengen von Frauen, die deinen Namen skandiert haben. Wie sollte ich da durch? Und weißt du, Brad? Es ist wahnsinnig, aber ich war so erfüllt mit den Gedanken dich zu sehen, und dass, du mich siehst und dass, du sicherlich mir einen Heiratsantrag machst. Mir war alles (außer dir) schnurstracks egal. Ich lief zum Hotel und wollte wenigstens von oben dir winken. Die Security, längst erfahren und genervt von solchen Dümmchen wie ich es bin,, schmeiß mich raus. Doch der Anflug des Wahnsinns schob mich zum nächsten Hotel, wo ich durch den Hintereingang in der Küche landete und meine Aldi-Tüten mein Anwesenheit legitim machen sollten. Doch sie halfen nichts. Wahrscheinlich werden in solchen Hotels eher Edeka- oder gar Lindner-Tüten akzeptiert.

Und dann „bamm“ und ich wusste es. Wasser! Frei! Mit voll beladenen Tüten ging ich durch Wasserbrunnen zu dir, Brad. Doch der glatte Moos machte Strich durch all meine Pläne und plumps landete ich im Wasser. Aldi Tüten hielt ich natürlich hoch. Lachen, Pfiffe hielten mich nicht davon ab nun irgendwie auf Knien zu dir zu kommen. Endlich da. Nass, grün, aber fast am Ziel. Wäre da nicht wieder haufenweise Security. Sie schrieen mir irgendwas, zeigten auf Wasser, doch ich stand da und rührte mich nicht vom Fleck. Ich gehe doch nicht zurück ins Wasser, dachte ich. Wenn schon, dann müssen die mich raustragen. In meiner Verzweiflung zeigte ich auf die Ohren und deutete an nichts zu verstehen. Mensch! Die kaputte Ohren könnte man gleich mit einem VIP-Ausweis setzen. Erst ließen sie mich blieben, dann erlaubten sie mir ein paar Schritte und irgendwann nahmen sie mir meine Aldi-Tüten ab und erlaubten ganz vorne am roten Teppich neben Journalisten zu stehen. Was lachten die mich aus! Aber ich wusste, ich werde belohnt. Grün und voller Hoffnung wartete ich auf dich.

Es kamen sowohl Axel Schulz als Tarantino vorbei. Die dürre Diana Krüger und Schöneberger mit breitem Lächeln. Doch niemand beeindruckte mich. Alles nur Menschen wie ich. Du aber, du bist was anderes. Und dann wusste ich, dass du kommst. Mein Hörgerät vernahm sämtliche „Aaaaaah“, „Oooooh“ und „oooo mein Gott“ – Schreie. Das könntest nur du verursachen. Stolz gingst du an denen vorbei, du kamst mir immer näher und näher. Gucktest in meine Richtung und …. an mir vorbei! Das kann doch nicht wahr sein! An mir vorbei? Ich, die durch Moos, kaltes Wasser, Erniedrigungen zu dir durchkam wurde ignoriert. Nun ja, Brad. Entschuldige, Herr Pitt. Seit diesem Tag nach ein paar Tränen und Trösten von Journalisten und Security hast du einen Fan weniger. Mein Freund genießt nun seine Ruhe und den Platz als einziger Gott auf dem Olymp der Liebe.

Ich habe mich gar nicht mehr an dich erinnert, bis ich in einem Café in einer Klatschzeitschrift die Zeilen las, von denen jeder wusste, sie werden irgendwann mal kommen.

Weißt du, Brad, du hast dich entschieden. Für eine Hollywoodschönheit, für eine Egozentrikerin.

Angi sagt, du bist Alkoholiker, haschst und bist eine Gefahr für deine kleinen süßen Kinder. Weißt du, es wäre mir so piepegal! Ich würde einen, na gut auch zwei, mit dir aus Liebe trinken. Gefährliche und jähzornige Männer sehe ich als Herausforderung und Weiterbildung für meine Persönlichkeit und glaub mir, mit männlichen Macken kann ich umgehen. Du hättest es gut bei mir gehabt.

Sag mal, was ist besser, Brad. Stehende Silikonbrüste oder hängende Naturtitten? Stechende Rippen, wenn du kuschelst oder dich wärmende Fettpölsterchen? Eine Truppe von Kindern, die alle nach Aufmerksamkeit schreien oder Frau, die allein nur dich vergöttert?

Im Bett sollst du nicht wirklich gut sein? Ich bin da nicht bewandert wie Angie. Ich lebe in einer durchschnittlichen Stadt, übe eine durchschnittliche Arbeit aus, führe ein durchschnittliches Leben und gäbe mich auch mit einem sexuell durchschnittlichem Mann wie du Brad, zufrieden.

Nun ja, das Leben segnete mich aber mit meinem überdurchschnittlich geduldigen Freund. Er hat meine Schwärmerei für dich überdauert, er hat eure Beziehung überdauert und er gibt sich mit seiner durchschnittlichen Freundin ab. Ich weiß in den anderen Betthälfte einen überdurchschnittlichen Mann an meiner Seite. Und jünger als du ist er auch noch. Ihm wird von mir jedenfalls nicht gekündigt bei all seinen Lebensqualitäten.

Grüße Angie von mir, lieber Brad und sag ihr, dass du bei mir jedenfalls keinen Halt finden wirst. Vielleicht hat sie doch Mitleid und nimmt dich zurück? Jennifer wird es sicher tun.

Deine nicht mehr grüne und nasse Olja.

 

Olja

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